Chronik

Deutscher Alpenverein
Sektion Rothenburg o.d.T. 1903 e.v.

Die Gründung unserer Sektion fand am 18. Februar 1903 im Hotel Markusturm statt. Insgesamt 22 Rothenburger waren dem Aufruf von Dr. Alfred Riedel und seinen Mitstreitern August Schnizlein und Karl Model gefolgt um sich als Gründungsmitglieder in die Teilnehmerliste einzutragen. Aus den verschiedenen Sitzungsprotokollen dieser Zeit geht hervor, dass es schließlich 34 Personen waren, die dem neu gegründeten Verein beigetreten waren.

Folgende Mitglieder wurden in den Vorstand gewählt:

  • Vorsitzender Herr A. Schnizlein
  • Schriftführer Herr K. Model
  • Schatzmeister Herr L. Goldbrunner
  • sowie als Beisitzer die Herren Dr. Riedel und L. Burkhard

Die Gründung unserer Sektion fiel in eine interessante Zeit. In Deutschland hatte der Industrialisierungsprozess begonnen und das Land in vielen Bereichen, wie zum Beispiel der Eisen- und Stahlindustrie, in eine führende Position gebracht. Die Modernisierung mit ihren technischen Verbesserungen, unter anderem auch in der Landwirtschaft, machte sich in vielen Lebensbereichen bemerkbar und schlug sich im Bevölkerungswachstum nieder. Rothenburg o.d.T. war bereits um die Jahrhundertwende ein beliebtes Tourismusziel und es kamen nicht nur deutsche Landsleute, sondern auch Engländer und Franzosen in die Stadt. Schon vor dem ersten Weltkrieg trafen die Ausflugsbusse der gehobenen Gesellschaft ein und sorgten so für den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt.

Auch unsere Sektion entwickelte sich weiter und konnte im Jahr 1938 bereits 54 Mitglieder vorweisen. Leider kam das Vereinsleben in den Jahren 1938 bis 1945 zum Erliegen und der Verein wurde auf Weisung der Alliierten 1945 aufgelöst.

Erst 1956 kam wieder neues Leben in die Sektion. Nun war es der Oberstudienrat a.D. Dr. Kurt Hoffmann, dem es gelang, das Interesse für die verschiedenen Disziplinen im Bergsport zu wecken. Am 12. Juni 1956 wurde die Sektion Rothenburg o.d.T. im Gasthaus zur Glocke wieder gegründet. Dr. Hoffman wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt und die Sektion hatte wieder eine Zukunft. Nun folgten Jahre reger Betriebsamkeit. Es wurden zahlreiche Unternehmungen getätigt. Dazu gehörten interessante Ausflüge in die Bergwelt, aber auch Wanderungen in der fränkischen Heimat sowie das klassische Zeltlager für die Jugend. In den Wintermonaten wurden Sektionsabende mit Lichtbildervorträgen und Tanz- bzw. Faschingsveranstaltungen durchgeführt. Auch das Kulturelle kam nie zu kurz. Bis heute werden Ausflüge ins Opernhaus nach Nürnberg, in die entfernt gelegen norditalienischen Bühnen sowie zu den Theaterbühnen der fränkischen Nachbarstädte angeboten. Skifahrten und Radtouren sowie Wanderungen und natürlich spannende Klettertouren im Hochgebirge stehen nach wie vor auf dem Programm.

Die Zahl der Mitglieder begann stetig zu steigen und im Jahr 2003 wurde die stolze Zahl von 700 Mitgliedern überschritten. Damit gehört unsere Sektion zu den größeren Vereinen in Rothenburg o. d. T.

Ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte ist zweifellos der Ausbau des Henkersturms in der Klingenschütt an der Stadtmauer. Der langjährige Wunsch nach einem eigenen Vereinsheim wurde Anfang der 80er Jahre realisiert. Im Jahr 1980 konnte der historische Henkersturm von der Stadt Rothenburg langfristig angemietet und zum Jugendheim ausgebaut werden. Alle Arbeiten wurden ausschließlich von Vereinsmitgliedern bewerkstelligt. Die schwierige Aufgabe war, den Keller und zwei Obergeschosse gründlich zu sanieren und entsprechend auszubauen. Im Jahre 1982 konnten die gemütlichen Räume eingeweiht werden. In einer weiteren Phase von 1988 bis 1993 wurde das neben dem Turm befindliche „Häusle“ zum Jugendraum umgebaut.

Für alle Arbeiten war echtes Fachwissen erforderlich, denn es handelte sich um sehr alte Bausubstanz. Der so genannte „harte Kern“ bestand aus 20 Fachleuten und benötigte ca. 1400 Arbeitsstunden. Der Henkersturm ist heute unsere Geschäftsstelle, die zentrale Anlaufstelle für Sitzungen, für gemütliches Beisammensein sowie Treffpunkt für die vielen verschiedenen Ausflüge.

Großen Raum nimmt seit Jahrzehnten die Jugendarbeit ein. Auch dieser Bereich der Vereinsarbeit trägt seither zur positiven Entwicklung der Mitgliederzahl bei. In den Anfängen wurden, wie schon eingangs erwähnt, Zeltlager organisiert, Campingausflüge unternommen und Wanderungen durchgeführt. Aber auch Ausflüge zum Klettern in die fränkische Schweiz und ins Gebirge waren auf dem Programm und sind es bis heute. Als das Sportklettern immer mehr in Mode kam, wurden gleich zwei Projekte in Angriff genommen:

  • Zum Einen wurde eine Kletterwand im Dachgeschoß des Henkersturms eingerichtet. Die „Inbetriebnahme“ war im Winter 1992. Die Anlage bietet mit ihren 5×4 Metern genügend Platz für Jugendgruppen von bis zu 15 Teilnehmern. In den letzten Jahren wurde sie von den Jugendlichen und ihren Betreuern ständig „überarbeitet“ und erweitert.
  • Darüber hinaus verfügt die Sektion seit 1983 über eine ca. 16 Meter hohe und über 10 Meter breite Felswand im Steinbruch an der Reutsächser Steige. Die Kletterrouten mit sehr unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden sind vorbildlich abgesichert und jeder Kletterer kommt wirklich auf seine Kosten. Im seitlich aufgebauten Brockwerk können sogar für Übungszwecke Klettersteige eingerichtet werden.

Seit dieser Zeit werden Sommer wie Winter wöchentliche Trainingsabende angeboten. In der Zwischenzeit ist der Jugendbereich auf über einhundert Kinder und Jugendliche angewachsen. Es gibt ausgebildete Jugendleiter, die die Klettersportler fachkundig betreuen. Diese dürfen Ihre Fähigkeiten im Rahmen von kleinen Prüfungen unter Beweis stellen und erhalten als Anerkennung einen entsprechenden Kletterschein. Die erfolgreiche Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben im süddeutschen Raum, man nennt das natürlich Klettercup, zeugen von einer erfolgreichen Jungendarbeit.

Auch die alpine Ausbildung unserer erwachsenen Mitglieder macht Fortschritte. So gibt es geprüfte Fachübungsleiter für die verschiedenen Bereiche im Bergsport. Eine unbedingt erforderliche Maßnahme die zur Sicherheit unserer Ausflüge beiträgt.

Was wäre ein Verein ohne die Öffentlichkeitsarbeit. Seit je her werden die verschiedenen Aktionen in kleinen Artikeln in der Zeitung angekündigt oder nach erfolgreichem Abschluss mit entsprechendem Bericht und Bildern in der Presse gewürdigt. Im Jahr 1982 erschien erstmals unser Veranstaltungs- und Wanderplan als kleines Faltblatt in gedruckter Form – eine sehr gute Idee und wenige Zeit später bildete sich ein Team und erstellte in redaktioneller Arbeit ein richtiges Mitteilungsheft. Einem gelungenen Einband im DIN A5 Format, der ab 1985 erschien und fast 15 Jahre hergestellt wurde – anfangs noch in Schwarz-Weiß, später im Farbdruck. Schließlich im Jahr 2000 erschien unser heutiges Journal. Ein attraktives Druckwerk im Format DIN A4 und natürlich im Corporate Design des DAV. Diese hervorragende Arbeit wurde vom Hauptverein aus München sehr gelobt und besteht in seiner Aufmachung bis heute.

Im Jahr 1987 kam es zu einer interessanten Entscheidung unserer Sektion. Mit der seit vielen Jahren befreundeten Sektion Würzburg wurde eine Patenschaft vereinbart. Hintergrund war die Entscheidung des Hauptvereins alle Sektionen, die keine Hütte besitzen, mit einer speziellen Umlage zu belasten. Mit Zustimmung des Münchner Hauptvereins wurde beschlossen, die Umlage direkt an die Freunde in Würzburg zu überweisen. Seit dieser Zeit unterstützen wir unsere Nachbarsektion auch bei verschiedenen Arbeitsaktionen auf der Vernagthütte in den Ötztaler Alpen.

Im Jahre 2003 konnte die Sektion Rothenburg o/T auf ihr 100 – jähriges Bestehen zurückblicken und in einer Feierstunde würdigen. Hierzu erschienen nicht nur viele Mitglieder unserer Sektion, sondern auch zahlreiche Gäste aus dem politischen und kulturellen Umfeld Rothenburgs, sowie geladene Gäste aus den benachbarten Sektionen. Speziell hierfür entstanden eine Festschrift sowie eine Chronik, die entsprechende Beachtung fanden. Im Vorwort zur Chronik stellt der Autor fest, dass unsere Sektion „einen wichtigen Teil des Rothenburger Vereins- und Kulturlebens darstellt“.

Graphik: Mitgliederzahl

mitgliederzahlenAktueller Stand im Maerz 2017: 956 Mitglieder

Die Vorstände von 1903 bis heute:

1. Vorsitzender 2. Vorsitzender 3. Vorsitzender Schatzmeister Schriftführer
1903-1933 August Schnizlein L. Goldbrunner K. Model
1933-1936 Alexander Neuner Vollmann
1936-1939 Alexander Neuner Martin Pyczak L. Mayer
1939-1948 kein Vorsitzender Friedrich Henn (kommissarisch)
1956-1957 Dr. Kurt Hoffmann Heinrich Paulus Ulrich Pyczak Heinrich Paulus
1958-1959 Dr. Kurt Hoffmann Heinrich Paulus Ulrich Pyczak Elsa Sperber
1960-1964 Dr. Kurt Hoffmann Albert Zietz Ulrich Pyczak Elsa Sperber
1964-1966 Dr. Kurt Hoffmann Hans Geitz Ulrich Pyczak Elsa Sperber
1967-1989 Ulrich Pyczak Willi Ott Heinz Pliske Elsa Sperber
1989-1997 Ulrich Pyczak Helmut Riedel H. Platz / L. Utz Elsa Sperber
1997-2001 Raimund Hanl Helmut Riedel ab 1995 Lise Pein Doris Schmidt
2001-2002 Raimund Hanl Karl Ebert Doris Schmidt Angela Stoll
2002-2004 kein Vorsitzender Karl Ebert Doris Schmidt Angela Stoll
2004-2008 Karl Ebert Jürgen Werneth Doris Schmidt Angela Stoll
2008-2012 Karl Ebert Werner Oberndörfer Doris Schmidt Angela Stoll
2012-2017 Felix Puchinger Werner Oberndörfer Jeremias Hilscher Doris Schmidt Angela Stoll
2017-heute Felix Puchinger Hubert Wenninger Werner Oberndörfer Jeremias Hilscher Marko Radestock

Quelle: Chronik 1903-2003

Grundlage für diese kurze Zusammenfassung waren verschiedene Quellen und Dokumente, sowie die Festschrift und Chronik anlässlich des 100- jährigen Jubiläums unserer Sektion. Wir danken den Autoren sehr herzlich für Ihre Unterstützung.